Grafrath, 30. Januar 2026 – Unter dem Motto „Zusammenhalten?!“ lud der Ortsverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Grafrath am Donnerstagabend zu einem politischen Wahlabend in den Bürgerstadl ein. Über 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Podiumsgespräch zu Sorgegemeinschaften, einem zentralen Zukunftsthema der sozialen Versorgung in Kommunen.
Moderiert wurde der Abend von der grünen Landratskandidatin Ronja Wurmb-Seibel, die sich zu Beginn in einem Kurzinterview vorstellte. Wurmb-Seibel wuchs in Eichenau auf, studierte Journalistik und arbeitete unter anderem für DIE ZEIT sowie als Beraterin für Kommunalverwaltungen. Als ehemalige Kriegsberichterstatterin in Afghanistan bringt sie vielfältige Perspektiven auf gesellschaftlichen Zusammenhalt mit und lebt heute in Dünzelbach. Auf dem Podium diskutierten Lucia Eitenbichler, Leiterin der Sorgegemeinschaft Oberried/Schwarzwald, Christine Bloching-Hedwig, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Grafrath, sowie die Gemeinderätinnen Begoña Prieto Peral, Jugendreferentin, und Monika Glammert-Zwölfer vom Asylkreis Grafrath.
Anhand konkreter Beispiele aus der Praxis wurde deutlich, wie Sorgegemeinschaften funktionieren können. Die Sorgegemeinschaft Oberried zeigte, wie umfassende Versorgung im ländlichen Raum gelingt: Ambulante Angebote, Tagesbetreuung und eine stationäre Wohngruppe decken alle Pflegebedarfe ab. Ehrenamtliche und professionelle Kräfte arbeiten dabei eng zusammen, etwa bei der Lieferung warmer Mahlzeiten durch örtliche Gaststätten. Ziel ist es, dass niemand das Dorf verlassen muss, weil Unterstützung oder Pflege benötigt wird. Auch die Nachbarschaftshilfe Grafrath leistet mit über 50 Ehrenamtlichen einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt. Unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ reicht das Angebot von Fahrbegleitung und einem wöchentlichen Mittagstisch über Sport- und Bewegungsangebote für ältere Menschen bis hin zu generationenübergreifenden Projekten wie „Leih-Oma/-Opa“.
Weitere Perspektiven brachte Begoña Prieto Peral ein, die über die Arbeit des Jugendbeirats, U18-Wahlen sowie die wachsenden Herausforderungen für Jugendliche berichtete, die in wichtigen Entwicklungsphasen zunehmend auf sich allein gestellt sind. Monika Glammert-Zwölfer schilderte die kontinuierliche Arbeit des Asylkreises Grafrath, der geflüchtete Menschen im Alltag unterstützt, beispielhaft an der Situation einer alleinerziehenden Mutter. Beide betonten, wie wichtig politische Beteiligung auf allen Ebenen sei – von der kommunalen bis zur zivilgesellschaftlichen Arbeit. Um wirksam zu bleiben, müsse ehrenamtliches Engagement stärker vernetzt werden und sich von einer reinen „Silo-Mentalität“ lösen. Gerade Vereine und Initiativen spielten dabei eine zentrale Rolle als Orte der Begegnung, des Austauschs und der demokratischen Teilhabe.
In ihrem Fazit betonte Moderatorin Ronja Wurmb-Seibel, dass Sorgegemeinschaften weit mehr seien als individuelle Hilfsangebote. Sie stärkten den gesellschaftlichen Zusammenhalt und seien ein wichtiger Baustein für eine lebendige Demokratie. Studien zeigten, dass soziale Isolation extremen politischen Haltungen Vorschub leisten könne. Eine zukunftsfähige Demokratie sei ohne Mitgefühl und gegenseitige Verantwortung kaum denkbar.
Im Anschluss an das Podium stellten sich die GRÜNEN Kandidatinnen und Kandidaten aus Grafrath und Kottgeisering vor und standen für Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung. Die Erstplatzierte der GRÜNEN Liste für Grafrath, Alice Vogel, fasste den Abend zusammen: „Sorgegemeinschaften zeigen, was möglich ist, wenn Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Politische Beteiligung beginnt vor Ort – dort, wo wir uns einbringen, zuhören und gemeinsam Lösungen entwickeln. Nur so entsteht ein Miteinander, das niemanden zurücklässt.“
Auch Lucia Eitenbichler machte deutlich, dass politische Verantwortung mehr sei als fachliche Kompetenz allein. „Wir müssen Verantwortung teilen“, betonte sie. Demokratisches Handeln erfordere neben Wissen vor allem Empathie, die Fähigkeit zuzuhören und ein Bewusstsein für unterschiedliche Lebensrealitäten.
Diese Einschätzung wurde aus dem Publikum aufgegriffen. Eine Teilnehmerin brachte es prägnant auf den Punkt: „Wir brauchen kluge und emphatische Demokratinnen und Demokraten.“ Die lebhafte Diskussion zeigte, wie groß das Interesse an einem konstruktiven, respektvollen politischen Austausch ist.
In den anschließenden Gesprächen betonte Alice Vogel, Kandidatin Nummer eins der Grafrather Liste, wie zentral Transparenz für das demokratische Zusammenleben sei. Transparente Entscheidungsprozesse, ein offener Umgang mit Finanzen sowie echte Bürgerbeteiligung seien entscheidende Voraussetzungen für Vertrauen in die Demokratie und für ein gutes Miteinander vor Ort.
Zugleich wurde der Wunsch nach verantwortungsvoller und zugewandter politischer Führung deutlich. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer betonten, dass Ronja Wurmb-Seibel aus ihrer Sicht beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kandidatur mitbringe – insbesondere durch ihre fachliche Kompetenz, ihre empathische Haltung und ihre Fähigkeit, komplexe politische Themen verständlich und nah an den Menschen zu vermitteln.
Der Abend bot Raum für Gespräche auf Augenhöhe und verdeutlichte die Bedeutung solcher Formate für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – gerade in politisch herausfordernden Zeiten. Die Veranstalterinnen und Veranstalter zogen ein positives Fazit: Die hohe Beteiligung und die intensive Diskussion zeigten, wie wichtig Orte des Dialogs für eine lebendige Demokratie sind.